Tietzowsee ohne Sonnenkönig

Ich denke, wir sind verwöhnt worden. Verwöhnt vom Wetter, von der schönen Umgebung und nicht zuletzt durch unsere Anwesenheit. All das kann die Gegenwart des Sonnenkönigs und damit auch von Messer nicht ersetzen. Folgerichtig gab es bei Strukturierung und Durchführung des Kultur-Samstags erhebliche Defizite. Aber dazu später mehr. 

Unbesehen davon erwies sich die Ferieninsel Tietzowsee als ein nahezu idealer und wunderbarer Bereich, in dem man sich für 2 Tage sehr wohl fühlen kann. Leider waren die uns zugewiesenen Bungalows etwas verstreut. Das aber war mit ein wenig Fußarbeit durchaus zu kompensieren.

Unnötig zu erwähnen, dass auf die echten Thüringer (hier: Ellen, Uwe und die Würste) wieder Verlass war. Ja mehr noch. Es war einigen Protagonisten anzumerken, dass sie wochenlang auf den Moment der ersten Ausgabe hin gehungert hatten. 

Einzig die Brötchen schienen etwas kleiner, als in den Vorjahren, was uns allen in diesen Tagen aber durchaus gut zu Gesicht stehen könnte.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich die wunderbar eingelegten Steaks vom Schlachter des Vertrauens der Rosies.

Brechwurz

Beinahe hätte ich einen schweren Frevel begangen. In Panik ob der Tatsache, dass der Waldprophet in diesem Jahr nicht zur Verfügung stehen würde, war ich drauf und dran, per Internet eine entsprechende Flasche am Sonnenkönig vorbei zu bestellen…damit hätte ich sorglos einen Mythos zerstört. 

Zum Glück habe ich mich noch eines Besseren besonnen und nur einen äußerlich ähnlich erscheinenden Bärwurz erstanden. 

Der jedoch hatte nun keine andere Funktion, als das Fehlen des Blutwurz zu akzentuieren und als blasse Karikatur des selben die Sehnsucht nach dem Original zu verstärken.  Nur bedingt zur Desinfektion geeignet, musste die halbe Flasche wieder die Heimreise antreten. Glücklicherweise hatte es hinreichend andere Optionen.

Das Hebelgesetz in der praktischen Anwendung

Wir befanden uns ganz in der Tradition des großen Otto von Guericke, als wir spontan ein sehr interessantes Freiluft-Experiment durchführten. Eine klassische, sehr große Balkenwaage diente als Versuchsaufbau. Sehr schön war hier zu beobachten, dass die Gewichtskraft von Alfred bei gleicher Erdanziehung im Vergleich zur Gewichtskraft von Ralle scheinbar überwiegt.
Ein Umstand, der auf den ersten Blick uns allen als sehr paradox erscheint. Allein die unterschiedliche Länge der Hebel sorgte für diesen faszinierenden Effekt. (@Ralle: Wer schreibt, der bleibt.) Zufällig vorbei kommende Passanten blieben erstaunt stehen. Die wunderbare Welt der Schwerkraft!

Planlos in den Samstag

Die erweiterte Umgebung von Rheinsberg kann unsererseits als erschlossen bezeichnet werden. Deshalb, und auch aufgrund der fehlenden Koordination durch den Sonnenkönig entschieden wir uns für eine Minimallösung. Es wurde ein gemütlicher Spaziergang in der näheren Umgebung anberaumt und mit viel Motivation und Tatkraft in Angriff genommen. Wer jetzt meint, das wäre nicht herausfordernd: Copper (ein Rüden-Welpe) und Steffi mussten bereits nach wenigen Metern aufgeben. 

Wir kamen an ein eingezäuntes Gelände, vor dessen Betreten wir eindringlich gewarnt wurden. Ein Wandlitz-Reservat? Ein geheimer Rückzugsort für Ex-Genossen? Baustil, Bepflanzung und Zaunhöhe ließen Raum für Spekulationen. Nun wollten wir mehr erfahren…

Tatsächlich erwiesen sich die dort ansässigen Natives als krankhaft gastfreundlich und weckten bei mir persönlich die Assoziation eines düsteren Märchens, in dem unschuldige Opfer mit Schmeicheleien auf die Grundstücke gelockt werden, um verspeist zu werden. Diesem Schicksal sind wir glücklich entgangen.

Bei einer ausgiebigen Rast am angrenzenden Jagowkanal lernten wir, dass in den kleinsten Booten die freundlichsten Bootsfahrer fahren. 

Gastronomie-Check

Durchaus beachtenswert, was die Campingplatzeigene Gastronomie „Zum Achter“ zu bieten hatte. Man bewies ein hohes Maß an Flexibilität, als wir aufgrund eines Rechenfehlers eine andere Tischgeometrie benötigten. Die Speisen waren von solider Qualität und wurden warm und in angemessener Zeit serviert. Dass Matzingers Aversion gegen Tomaten beim Personal nicht bekannt war, muss nachsichtig bewertet werden. 

Schnell kam am Tisch Geselligkeit und sogar Gemütlichkeit auf. 

Sehr beeindruckt hat mich die Variabilität in der Auslegung der Eis-Karte. Als Ellen statt dem Schwedenbecher den etwas geistreicheren Norwegerbecher bestellen wollte (der  interessanterweise gar nicht auf der Karte war), wurde das  ohne Murren entgegengenommen und prompt serviert. Wir haben uns abschließend auf eine gute 2+ geeinigt. 

Entweder sind wir genügsamer geworden oder der Service im Osten wird besser.

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