lego_warfareWir sehen ein vornehmlich graues Rechteck, umrahmt von einem knallorangenem Rahmen aus schlichtem Holz. Der scharfe Kontrast schmerzt ein wenig und lässt das Auge nicht zur Ruhe kommen. Auf der homogen grauen Fläche prangt ein wild wucherndes Gebilde, dessen Linien nie den Verdacht von Parallelität aufkommen lassen. Asymmetrie als Konzept. Etwas an diesem beunruhigenden Wirrwarr kommt uns bekannt vor … diese unverwechselbaren Noppen. Sie knüpfen ein unsichtbares Band zu unserer Kindheit. Es sieht aus wie Lego. Es ist Lego!

Das undefinierbare Bauwerk im Zentrum erinnert an die filigran-kubistischen Werke der alten grönländischen Meister, die Bildnisse alter Wikingerfrauen aus groben Eisblöcken schufen. Offenbar ist der Künstler davon inspiriert worden. Aber da ist mehr.

Der Künstler benutzt scheinbar chaotisch, aber doch bewusst erkennbare Strukturen aus harmlosen Lego-Kleinteilen, die sicherlich in irgendeiner Ecke des Kellers vor sich hin vegetierten und geduldig darauf warteten, auf dem Müll der Geschichte zu landen. Das gebrushte Finish erzeugt albtraumhafte Assoziationen an eine kalte, graue Panzeroberfläche. Rostig-schmutzige Applikationen beleidigen das Auge und verstärken diesen Eindruck nur noch. Man meint das wütende Brummen eines Panzermotors zu hören. Es riecht nach Öl, Benzin und Pulverdampf.

Doch wie ein Fanal der Lebensfreude sticht mitten aus diesem undefinierbaren, grauen Etwas eine lebensbejahende, quadratische Fläche in strahlendem Orange heraus. Als wollte es uns sagen: „Make fun, no war!“

Dieses Werk wandelt auf dem schmalen Grat zwischen Jubel, Wahnsinn und belehrender Botschaft. Worauf der Betrachter sich einlässt, ist allein seine Sache.