_MG_1739

Start mit Hindernissen

Mal ohne Flachs! Die Wahl der Lokalität war deutlich mehr, als eine Notlösung. Der Ferienpark „All Seasons“ bot einen durchaus würdigen Rahmen für unser Treffen. Nachdem man die Einreise erfolgreich absolviert hatte, vermittelte die ruhige, gut gesicherte Anlage stets ein Gefühl der Geborgenheit. Ein wenig wie damals in der DDR. Dem RL war es sogar gelungen, alle Bungalows nebeneinander zu arrangieren. Sozusagen Klein-Wandlitz reloaded. Selbst die unmittelbare Nähe zum Sportplatz stellte sich später als Erfolgsfaktor heraus.

Ein sehr mutiges, aber auch risikoreiches Spiel des Reiseleiters mit der Verantwortung gleich zu Beginn: Wenig komplexe Teilaufgaben wurden an seinen Vize (von Beruf Funker) delegiert. Das ging prompt in die Hose. Die in diesem Camp lebenswichtige Dokumentenmappe nebst Lappen und Spülmittel wurde zum Teil an falsche Adressaten ausgehändigt. Nur durch das umsichtige und besonnene Handeln von verantwortungsbewußten Teilnehmern konnte Schlimmeres verhindert werden.

_MG_1661Geradezu Panikattacken löste das verspätete Eintreffen des GvD aus. Und zwar zuerst bei ihm selbst, da er fürchtete, seinem Versorgungsauftrag nur unzureichend nachkommen zu können. Aber auch die wartende Meute mußte durch den besonnenen Einsatz bewaffneter Organe besänftigt werden. Nachdem die ersten Würste auf dem Grill lagen, beruhigte sich die Lage langsam. Hier muss die Gruppe reagieren und über das Amt eines Krisenmanagers nachdenken (in Personalunion mit Mobbing-Beauftragter?).

Der Abend war sehr lustig und wie meistens sehr lang. Ein erstes kulturelles Highlight war der Weltpremiere der „Ode an den Sonnenkönig“, vorgetragen durch einen talentierten Nachwuchskünstler. Eine literarische Verbeugung an die jahrelange, erfolgreiche Herrschaft unseres Monarchen, die dieser mit Wohlwollen zur Kenntnis nahm. Danach durfte der Blutwurz die Runde machen und entfaltete seine Wirkung.

Der mutige Selbstversuch von Matzinger mit dem Titel „Ein ordentlicher Schwips binnen  einer Stunde“ darf als voller(!) Erfolg bezeichnet werden. Der Proband verabschiedete sich mit aufrechtem Gang, jedoch deutlich früher als gewohnt vom schwankenden Oberdeck. Auch der Reiseleiter konnte unfallfrei nach Hause geleitet werden.

So war dann endlich auch der Mythos von den drei wackeren Norddeutschen gebrochen, die stets bis in die Puppen bleiben, die letzten Reste aus den Flaschen saugen und nebenbei die Welt retten. Die zwei Verbliebenen erfreuten sich statt dessen der Gesellschaft eines Schwarms von vier heiteren Prosecco-Schwalben, die durch bemerkenswerte Kondition auffielen. Die Zeiten ändern sich.

Mirow ist das neue Mailand

Der Name der Stadt Mirow ist vielversprechend. Er ist tatsächlich verwandt mit dem russischen Wortstamm МИР  und bedeutet sinngemäß Frieden oder Ruhe. Da МИР auch für Welt steht, ist hier auch der perspektivische Anspruch auf einen Weltstadt-Status verschlüsselt. Nachvollziehbar.

Neugierig geworden durch das ehrgeizige Motto der regierenden FDP aus dem letzten Wahlkampf „Mirow ist das neue Mailand“ hatten wir den kompletten Vormittag für einen entspannten Bummel durch die Mirower Shopping Mall reserviert. Gleich zu Anfang stand der kollektive Besuch des renommierten Schuhtempels „Anika Schuh“ mit integriertem Schau-Einkauf auf dem Programm. Niemand hätte erwartet, hier auf eine so erlesene Auswahl feinsten italienischen Leders zu treffen! Im Ergebnis eine runde Sache, da auch die regionale Wirtschaft einen deutlichen Wachstumsschub verzeichnen konnte. Die Aktie von „Anika Schuh“ ging durch die Decke. Das Shopping war dann allerdings überraschender Weise doch schon nach 15 Minuten beendet, so dass wir Zeit gewonnen hatten.

_MG_1678Der eingeflochtene Besuch des Luftfahrttechnischen Museums Rechlin wurde von allen mit großer Spannung erwartet und wurde diesen Erwartungen mehr als gerecht. Dort konnte man den muffigen Atem der Geschichte spüren. Eine wirklich umfangreiche und liebevoll zusammengestellte Sammlung von Exponaten rund um die Fliegerei und Marine. Rostige russische Flugzeuge und Hubschrauber sorgten für Staunen und die unbeantwortete Frage, wie diese Dinger jemals fliegen konnten. Matzinger wurde sogar zum Kauf einer gebrauchten Kampfdrohne aus ehemaligen Bundes-Luftwaffe-Beständen inspiriert.

Der geplante Standortwechsel Richtung Waren wurde kurzfristig auf das näher gelegene Röbel umdisponiert. Das kommissarische Führungsfahrzeug wählte unseren Parkplatz zielsicher auf der dem Hafen diametral gegenüberliegenden Seite der Stadt, wodurch wir dankenswerterweise viel zu laufen hatten. Belohnt wurden wir mit der sehr sehenswerten Innenstadt und vereinzelten Kontakten mit einheimischen Bürgern.

Gastronomie

_MG_1712Für Rosi Rettung in letzter Sekunde, für alle anderen darüber hinaus eine sehr positive Erfahrung. Mit dem „Müritzhof“  trafen wir auf einen Gastwirt, der seinem Handwerk alle Ehre macht und sich nicht zu schade war, seine Mittagspause zu opfern. Die Herausforderung, trotz eingeschränkter Logistik eine Meute von 15 hungrigen Gästen zu bewirten, meisterte er mit Bravour und setzt damit Maßstäbe.  Zum Dank habe ich eine übertrieben positive Bewertung auf tripadvisor verfasst. Diesmal nix zu nörgeln. Sorry.

Die Feldsteinscheune Bollewick wurde aufgrund individueller Erschöpfungssyndrome ersatzlos gestrichen. Das Pokalendspiel warf seine Schatten voraus. Es galt den Abend vorzubereiten.

Der Abend

Der Samstagabend hatte genau 3 Eckpunkte. Aktiver Sport, passiver Sport und dazwischen Messen des Bauchumfangs. Der aktive Sport war nicht mehr als der klägliche Rest des am Vorabend angekündigten Volleyball-Turniers. Aufgrund des Mangels an Teilnehmern beschränkte sich das Spiel auf 3 gegen 3, was die einen 3 klar für sich entschieden.

Schrecksekunde. Beim Bauchumfang-Messen hatte sich unbemerkt ein nicht zertifiziertes Bandmaß aus rumänischer Produktion eingeschlichen, bei dem aufgrund eines Fertigungsfehlers 4 Zentimeter mittendrin fehlten. Dem Hobby-Mathematiker wird sich sofort erschließen, welchen statistischen Einfluß dies auf die Meßreihe hat. Von der psychologisch-emotionalen Wirkung auf die Probanden ganz zu Schweigen. Zum Glück und zur Beruhigung der falsch gemessenen Teilnehmer konnte der Fehler rechtzeitig gefunden werden und die Messung korrekt fortgesetzt werden.

DFB Pokalendspiel Bayern-BVB. Ab etwa 19:45 wurden Fernseher und Sitzgelegenheiten strategisch und nicht ganz konfliktfrei annektiert. Eine Sitzbank verstarb noch am Unfallort. Alles fein unter freiem Himmel. Das Wetter (der Sonnenkönig) meinte es sehr gut mit uns. Wie unter intelligenten Menschen nicht anders zu erwarten, blieb die Lage zwischen den beiden Fanlagern ruhig und vorwiegend sachlich. Allein die erstaunlich große Bayern-Fraktion zeigte Tendenzen zu Pöbeleien, die von der anderen Seite jedoch gelassen ignoriert wurden.

Wer dann letztlich gewonnen hat, daran erinnere ich nicht mehr. Ich glaube aber, die Münchener müssen  gewonnen haben. Sonst wäre es sicher zu häßlichen Szenen und Ausschreitungen gekommen. Glückwunsch an die glücklichen Sieger.

Die Ausreise aus „All Seasons“ gestaltete sich ähnlich schwer, wie die Einreise. Das tut aber dem Gesamteindruck keinen Abbruch. Liebe Freunde, es war wieder sehr schön, wir haben es genossen, Genossen. Erinnert mich bitte rechtzeitig an die „Ode an den Grillmeister“ im nächsten Jahr. Nach dem Treffen ist vor dem Treffen. Bauchumfang folgt in Kürze. Horrido.