Bundespräsident to go

Politik meets Entertainment.

Es ist unbestritten das beherrschende Thema der letzten Wochen und überstrahlt selbst die fortschreitende Euro-Inkontinenz: „Unser junger Bundespräsident Christian Wulff (1959) hat gewaltig Dreck am Stecken und hat damit Amt und Vaterland beschmutzt.“, so die Presse und nicht befreundete Politiker-Kollegen. Jetzt ist es im Detail auch nicht mehr soo wichtig, wie schwerwiegend die im Raum stehenden Vorwürfe an den Grundfesten unserer Moral und Grundordnung rütteln! Kommende Woche wird wahrscheinlich bekannt werden, dass Herr Wulff bei seinem letzten Autokauf ein Set Fussmatten gratis dazu bekommen hat.
Kurz: Es riecht irgendwie unangenehm und alle wollen nun ganz genau wissen, wo der Gestank herkommt. Die Aasgeier kreisen am Himmel über Schloss Bellevue und warten geduldig darauf, dass das weitwunde Tier endlich – stilistisch perfekt auf der großen Freitreppe – verendet.

Es wird zukünftig sehr schwierig werden, einen geeigneten Nachmieter zu finden. Mit den gewachsenen Ansprüchen an Unfehlbarkeit und makellose Vollkommenheit, gepaart mit gepflegtem Haarschnitt, nebst einer First Lady von reinem Herzen, werden wir in den Reihen der etablierten Politiker schnell an Grenzen stossen.
Ich bin ein mündiger Bürger und begnüge mich nicht damit, diese Probleme einfach zur Kenntnis zu nehmen. Hier meine Vorschläge.

Mein Lösungskonzept ist revolutionär und einleuchtend zugleich. Wenn schon Volksverblödung, dann richtig!
Variante 1: Eine Casting-Show mit drehbaren Sesseln, bei deren Showdown der neue Bundespräsident gekürt wird. DSDNBP. In der Jury sitzen nur Voll-Profis:
Peter Zwegat wegen seines Fachwissens zur latenten Finanzmisere europaweit. Gern auch mit Flipchart.
Heidi Klum, weil der gesuchte Kandidat vor allen Dingen repräsentative Aufgaben hat, anmutig gehen und sich adrett kleiden sollte. Zur Not ginge auch Bruce.
Nicht zuletzt unser aller Lieblings-Dieter, das alte Rethorik-Nilpferd, wegen seiner bestechenden, allgemeinen und grenzenlosen Kompetenz.
Wenn dieses Konzept funktioniert, wovon ich fest ausgehe, ist die logische Weiterentwicklung eine Kanzlerwahl nach gleichem Muster. DSDNBK. Democracy at its best!
50 Cent aus dem deutschen Festnetz. Mobilfunk kann unverschämt abweichen.

Spannender, aber auch logistisch anspruchsvoller ist Variante 2: Das BundesPräsi-Dschungelcamp. Errichtet inmitten eines Sumpfes aus Lügen und Intrigen, ohne Verbindung zur Außenwelt – außer stets wachen Kameras und Mikrofonen. Das Konzept in einem Satz: Die Kombattanten werden systematisch unterzuckert und gegeneinander aufgestachelt, um ihre soziopathischen Wesenszüge schonungslos an die Oberfläche zu holen. Beißen und Kratzen ist ausdrücklich erlaubt. Zigaretten oder Alkohol gibt’s nur gegen Petzen.
Für das erforderliche Plus an Seriösität wird Dirk Bach durch Günther Jauch ersetzt. (Der kann sich hoffentlich mehr Text merken.) Dr. Bob wird ebenfalls getauscht – gegen Frau Nahles. Nur damit sie quasi per Satzung für nix anderes in Frage kommt.
Der Rest ist Routine. Tägliche Dschungel-Prüfungen und das Telefon-Votum der mündigen Bürger reduzieren die Teilnehmerzahl schrittweise, bis am Ende der neue Dschungel-Präsident (oder die Dschungel-Präsidentin) gekrönt wird. Demokratischer geht’s nicht!

Macht was draus!

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