Generation facebook

Es geht Schlag auf Schlag: Eben noch per Modem in das neue Medium Internet eingewählt („Bin ich schon drin? – Ich bin drin!“) und heute glücklich assimilierter Teil der Matrix. Stets online und überall erreichbar. Fast (Ich nehme mein Mobiltelefon immer noch nicht mit aufs Klo).
Keine offenen Fragen mehr. Das Netz weiß alles: Wo man gerade ist („Darf atombombe.app Ihren aktuellen Ort verwenden?“). Was man schon jetzt gut findet, was man dringend demnächst gut finden sollte.
Selber einkaufen ist im Prinzip auch was für Feiglinge. Eine Frage des Vertrauens: Amazon-Reliance-Service. Einfach wöchentlich zuschicken lassen, was DIE meinen, was man braucht. Keine Versandkosten.
Und wer sind nochmal meine 456 Freunde? Die kann ich nun wirklich nicht alle selbst kennen! Aber das Netz weiß es eben.
Im Prinzip fehlt jetzt nur noch der DockToBrain-Adapter im USB 3.0 Standard. Wahrscheinlich erfindet Google den gerade und wer nicht angezapft werden möchte, muss einen schriftlichen Antrag stellen. Vielleicht kommt der Hinterkopf-Stecker aber auch zuerst von Apple. Dann ist er wenigstens benutzerfreundlich und formschön. Ich freue mich jedenfalls schon drauf, Tastatur und diesen ganzen PC-Peripherie-Schrott zum Sperrmüll bringen zu können…sorry abholen zu lassen, per Web-Request.
Wie? Bei dir ist noch nicht mal der Fernseher vernetzt?! Als ob man sich die Birne allein mit Pro7-Sat1-Stumpfsinn weichkochen könnte! Nein, das geht mit youtube und allen Mediatheken deutlich flotter. Auf meinem Fernseher kann ich zum Beispiel sehen, wie das Wetter vor der Tür ist!

Hast du deine Fotosammlung schon in der Cloud? Nein? Dann wird’s aber Zeit! Die nächste Überwachungskamera mit Gesichtserkennung sortiert dich gnadenlos als „unbekannt“ aus oder verwechselt dich mit Guido Westerwelle. Und wenn du dann auch noch mit niemandem befreundet bist – dann wird’s wirklich eng!

So, ich muss los. Ich will noch schnell bei facebook posten, dass es gleich dunkel wird.
Mal sehen, wer das gut findet.

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