Wustrow. Vermutlich inspiriert durch jüngste Ereignisse im englischen Königshaus, hatten wir es in diesem Jahr mit einem spontanen Rückfall in monarchische Verhältnisse zu tun. Unserem langjährigen RvD waren der Erfolg und die Huldigungen anscheinend zu Kopf gestiegen. Fortan rief er das Königreich des Sonnenkönigs aus und regierte sein Volk huldvoll, aber mit harter Hand.
Dieses nicht-demokratische Intermezzo fand ein jähes Ende auf hoher See, aber dazu später mehr…

Für die Hamburger Delegation geriet die Anreise zu einer Odyssee. Nein, es mussten keine einäugigen Zyklopen verprügelt und keine Stürme besiegt werden. Aber eine schier endlose Schlange von Blech wand sich die A24 entlang und ließ lediglich Geschwindigkeiten bis max. 3 km/h zu. Umso herzlicher der Empfang im Camp (Merke: Bereich) mit Laola und aufgewärmter Grillwurst.
Der Abend verlief in ruhiger und konstruktiver Atmosphäre. Die perfekte Organisation durch FvD, BvD und SDAD trug saftige Früchte. Das frische Silberpaar wurde gewürdigt und revanchierte sich mit reichlich Met und Wein. Messer sprach und funkte nicht.
Die mit den ungeschriebenen Gesetzen der Gruppe nicht allzu vertraute Ellen wurde subtil unterwiesen und räumte anschließend höchst sensibel das Feld. So konnten die 3 Norddeutschen den Abend beschließen. And then there were three. Genesis 1978.

Beim reichhaltigen Frühstück gab es eine eindrucksvolle Demonstration des Umgangs mit Eiern durch unseren Matzinger. Fachgerechte Beurteilung der Qualitätsmerkmale (Form, Geruch) und der Verzehr in einem Arbeitsgang ohne weitere Hilfsmittel sorgten für Staunen bei den Zeugen dieser Szene.

Wie schon in den vergangenen Jahren zerfällt das Kollektiv am Samstag in letztlich 3 Teams unterschiedlicher sportlicher Ambitioniertheit.
Bemerkenswert hier die Tatsache, dass die mittlere Paddelgruppe verschämt in die Altersteilzeit abgleitet. Anstatt sich offen zu Müßiggang und Bequemlichkeit zu bekennen, bricht man zu einer Pseudo-Paddeltour auf, die jedoch bei den ersten Anzeichen von Achselschweiß abgebrochen wird (Merke: Halbtags-Paddler). Carpe diem.
Die letzte verbliebene Zelle mit wahrhaftem Sportsgeist (Team „Atlantik“) kommt im Prinzip auch nur noch voran, weil sie sich mit Heinz um einen leistungswilligen Junioren verstärkt haben. Nicht ganz zufällig kam es auf diesem Boot zu den dramatischen Ereignissen, die den Sturz des Sonnenkönigs zur Folge hatten. War es eigenes Verschulden oder hob sich eine meuchelnde Hand gegen den Sonnenkönig? Wie auch immer: Der Monarch wurde gerettet. Allein die teure Sonnenkönig-Brille sank auf den Meeresgrund. Verzweifelte Tauchversuche blieben ohne Ergebnis – Totalverlust. Die Position wurde per GPS markiert und zur Sonnenkönig-Brille-Traditionsstätte erklärt. Bevor sich James Cameron der Geschichte annimmt, werden wir die Suche in den kommenden Jahren mit hohem technischem Aufwand fortsetzen.
Der des Sehens beraubte Sonnenkönig wurde verarmt und deprimiert in sein Reich zurück gebracht.

Die Gruppe „Traumschiff“ verlebte unterdessen einen angenehm entspannten Tag bei Spargel (ein kurzzeitiger Engpass bei sauce hollandaise konnte sofort beseitigt werden!), Eiskaffee und Stützbier und legte überdies noch die weiteste Strecke zurück.  Der umsichtige Herr Kaleu P. hatte seine stolze Jacht stets im Griff und bewältigte selbst die nicht einfache Austrimmung des Boots durch Verschieben der Ladung. Ziel der Reise war das schöne Rheinsberg, wo buntes Volk und anspruchsvolle Gastronomie einen weiteren Höhepunkt markierten. Geschnitzte Skulpturen säumten den Weg.
Auch der zweite Abend sah einen unermüdlichen GvD bei der Arbeit, allerdings mit mehr als nur einer Schürze bekleidet. Hier darf man auf das nächste Jahr gespannt sein!
Die Gespräche wurden im Wesentlichen durch folgende Eckpunkte dominiert:

  • Der Sturz des Sonnenkönigs und die Folgen für die Wirtschaft.
  • Die Feinheiten der inner-familiären Kommunikation. Nuancen der Ansprache des Ehepartners. Merke: Schatz mit hartem TZ am Ende. Liebling; sprich: lieplink!
  • Geschnitzte Skulpturen. Diese Formel fehlerfrei rezitiert berechtigt zum Verzehr eines weiteren Getränks.
  • Ein unbekannter glatzköpfiger Mann im Rollkragenpullover.

Am darauffolgenden Morgen gelang dank Ingenieurs-mäßigen Vorgehens in letzter Minute die Vervollständigung der Messreihe Bauchumfang. Nur so viel: Die Weltwirtschaftskrise geht leider nicht spurlos an uns vorbei. Dazu später mehr.

Fazit: Es war wieder sehr schön. Allen Beteiligten mit oder ohne Funktion vielen Dank. Und ein Gruß an alle verlorenen Kinder, die noch zu uns stoßen sollten.